Aktivrente: Eine Chance für Unternehmen im Kampf gegen den Fachkräftemangel
- Sven Olef

- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 16 Stunden
Ab 2026 wird aus einem politischen Schlagwort operative Realität: die Aktivrente. Die Idee dahinter ist so einfach wie überfällig. Menschen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, sollen länger arbeiten können – freiwillig, attraktiv und steuerlich begünstigt. Für Dich als Unternehmer oder Verantwortlicher in HR ist das eine echte Chance im Kampf gegen den Fachkräftemangel.

Die Grundlagen der Aktivrente
Für die Lohnbuchhaltung ist es allerdings kein Selbstläufer, sondern ein Thema mit Fallhöhe. Der Kern der Aktivrente ist ein zusätzlicher steuerlicher Freibetrag von bis zu 2.000 Euro pro Monat auf den Arbeitslohn. Das sind 24.000 Euro im Jahr, steuerfrei. Kombiniert mit dem allgemeinen Grundfreibetrag können damit Einkünfte von rund 36.000 Euro pro Jahr ohne Lohnsteuer möglich werden.
Wichtig ist: steuerfrei heißt nicht sozialversicherungsfrei. Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung bleiben voll bestehen – zumindest auf Arbeitgeberseite. Genau hier liegt der erste Denkfehler, den man vermeiden muss.
Wer profitiert von der Aktivrente?
Profitieren dürfen nur Arbeitnehmer, die die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht haben und ab dem 1. Januar 2026 weiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Der Freibetrag darf ausschließlich bei einem Arbeitgeber angewendet werden. Minijobs, Selbständige, freie Mitarbeiter oder Beamte sind raus. Ebenso alle, die versuchen, den Freibetrag parallel bei mehreren Jobs zu nutzen. Das Ganze ist klar geregelt – und genau deshalb nicht verhandelbar.
Für Dich als Arbeitgeber bedeutet das: emotionaler Mehrwert ja, finanzieller Vorteil eher nein. Die Lohnnebenkosten bleiben nahezu unverändert. Du zahlst weiterhin Rentenversicherungsbeiträge, obwohl diese die Rente des Mitarbeiters nicht mehr erhöhen. Das ist betriebswirtschaftlich ein reiner Kostenblock.
Strategische Vorteile der Aktivrente
Der eigentliche Gewinn liegt woanders: Wissen bleibt im Unternehmen, Übergaben werden sauberer, Erfahrung verschwindet nicht über Nacht. Wenn man ehrlich ist: Das ist strategisch mehr wert als jede kurzfristige Einsparung.
Die eigentliche Musik spielt in der Lohnbuchhaltung. Dort entscheidet sich, ob die Aktivrente sauber läuft oder zum Dauerärgernis wird. Der Freibetrag muss über eine eigene, klar definierte Lohnart abgebildet werden: steuerfrei, aber voll sozialversicherungspflichtig. Pauschale „steuerfreie“ Konstrukte sind brandgefährlich.
Zusätzlich musst Du monatlich prüfen, ob alle Voraussetzungen noch vorliegen – Regelaltersgrenze erreicht, nur ein Arbeitgeber, korrektes Beschäftigungsverhältnis. Gerade bei Neueinstellungen oder Rückkehrern ist das kein Detail, sondern Pflicht.
Die Bedeutung der Dokumentation
Dokumentation ist kein Selbstzweck, sondern Absicherung. Der angewendete Freibetrag, der Zeitraum und die Erklärung des Arbeitnehmers, dass er den Freibetrag nur bei Dir nutzt, gehören sauber ins Lohnkonto. Ohne Wenn und Aber. Bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen brauchst Du eine schriftliche Erklärung des Mitarbeiters – und ja, auch die gehört abgeheftet, nicht in den Kopf.
Ein weiterer Punkt, der gerne übersehen wird: Für aktivrentenbegünstigten Arbeitslohn darfst Du keinen Lohnsteuer-Jahresausgleich durchführen. Die steuerliche Wirkung ist mit der laufenden Abrechnung abgeschlossen. Wer hier „aus Gewohnheit“ ausgleicht, produziert Fehler mit Ansage.
Herausforderungen zum Jahreswechsel
Und dann ist da noch der Jahreswechsel. Gesetzlich kein Ausnahmezustand, praktisch aber ein enger Korridor. Die Lohnsoftware muss rechtzeitig aktualisiert sein, neue Lohnarten sollten vor der Januarabrechnung getestet werden, und betroffene Mitarbeiter brauchen klare Kommunikation. Wer vorbereitet ist, spart sich Rückrechnungen, Diskussionen und unnötige Vertrauensverluste.
Fazit: Aktivrente als strategisches HR-Instrument
Unterm Strich ist die Aktivrente kein Bürokratiemonster, aber auch kein Selbstläufer. Sie ist ein Instrument, das Erfahrung im Unternehmen hält – wenn man sie sauber umsetzt. Unser klarer Rat: Sieh das Thema nicht als steuerliches Detail, sondern als strategische HR-Entscheidung mit operativer Konsequenz.
Wer sich jetzt strukturiert vorbereitet, gewinnt 2026 nicht nur Zeit, sondern auch Stabilität. Und die ist im aktuellen Arbeitsmarkt Gold wert.
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